Upcoming Events

Mai 2020

Juni

Klarer Kopf statt operative Hektik: Die Corona-Krise finanziell gut überstehen

Auch wenn die Aktienmärkte gerade verrückt spielen und die Konjunktur sinkt: Wer jetzt die Ruhe bewahrt und auf Chancen achtet, kann aus der Corona-Krise langfristig Gewinn ziehen. Sechs Finanztipps der Finanz-Expertinnen von FinMarie für Krisenzeiten.

Verlorene Aufträge, Kurzarbeit in vielen Unternehmen, Gehaltsverzicht: Wenn selbst Konzerne ins Trudeln geraten und die Konjunktur stark sinkt, wächst die Angst, zumal sich Euro und Börsen schon seit Wochen auf Berg- und Talfahrt befinden. „Ignorieren Sie die Schlagzeilen und den gegenwärtigen Lärm, bleiben Sie ganz bei sich und konzentrieren Sie sich auf Ihre finanziellen Ziele“, rät Caroline Bell, Mitgründerin der Finanzberatung FinMarie in Berlin, und ihre Partnerin Karolina Decker ergänzt: „Die Kurse werden wahrscheinlich noch eine Weile volatil bleiben, jetzt ist trotzdem ein guter Zeitpunkt, Investments aufzustocken.“

Seit 2017 berät FinMarie bevorzugt Frauen in Finanz- und Anlagefragen. Karolina Decker und Caroline Bell setzen dabei auf langfristige Strategien, breit diversifizierte Portfolios, auf börsengehandelte Fonds, ETF, und die Hilfe von Robo Advisors, elektronischen Handelsplattformen. „Am Gender Pay-Gap können wir wenig ändern, aber wir können die Wohlstandslücke füllen helfen, die im Vergleich zu Männern in den Anlage-Biographien von Frauen oft zu entdecken sind“, sagen die erfahrenen Finanzexpertinnen. Für die Corona-Krise raten sie Anlegerinnen jetzt vor allem zu Gelassenheit, Geduld und Konsequenz.

Empfehlung 1: Ruhe bewahren in der Corona-Krise

Das fällt angesichts der vielen Nachrichten von Insolvenzen und Milliardenkrediten für Unternehmen zwar gerade schwer, aber in Krisen wie jetzt liegt die Kraft in der Ruhe und der Disziplin. „Wenn Sie geplant anlegen, haben Sie sich gute Argumente für Anlageziele und einen Zeitrahmen für Ihre Investments überlegt“, sagt Caroline Bell. „Konzentrieren Sie sich also weiterhin auf Ihre Ziele.“

Hohe Kursschwankungen könnten jetzt zu vorschnellen Gewinnmitnahmen, zum Verkauf von Wertpapieren oder Fondsanteilen verführen. Wer jetzt aber im schnellen Wechsel kauft und verkauft, macht eher die Banken reich, weil bei allen Transaktionen Gebühren anfallen und diese die Gewinne schmälern. „Ein Wechsel des Anlagestils oder der Anlageklasse bedeutet einen Eingriff in die langfristige Strategie“, erklärt Karolina Decker außerdem. „Anlegerinnen fahren auf Dauer besser, wenn sie an ihrem wohl überlegten Plan festhalten.“

Anwendungstipp:

Verändern Sie jetzt also nicht “einfach mal so” Ihre generellen Anlagestrategie, sondern suchen Sie souverän nach Chancen, die sich jetzt an allen Börsen der Welt für Sie zum Einstieg bieten. Bei Bedarf unterstützen Ihre Finanzberaterinnen Sie dabei.

Empfehlung 2: Reserven bieten Sicherheit in Krisenzeiten

Die Corona-Krise zeigt den Sinn des Notgroschens: Ein gut gefülltes Tagesgeldkonto sichert jetzt die Risiken ab, die durch Kurzarbeit oder freiwilligen Gehaltsverzicht, durch wegbrechende Aufträge entstehen können. Ziel ist, im Notfall die alltäglichen Kosten zu decken, ohne Ersparnisse angreifen und in Panik Anlagen veräußern zu müssen. Wie reichlich das finanzielle Polster sein soll, hängt von der beruflichen Situation sowie vom persönlichen Sicherheitsbedürfnis ab: „Als eiserne Reserve habe ich als Unternehmerin für mich die Ausgaben von sechs Monaten auf einem Tagesgeldkonto angelegt. So kann ich ruhig schlafen.“, erklärt Karolina Decker.

Angestellte, die mit einem geregelten Einkommen kalkulieren, benötigen ein weniger weiches Polster als Selbständige. Bei einem durchschnittlichen Einkommen von 1500 Euro im Monat, sollte die Rücklage zwischen 4500 und 6.000 Euro liegen.

„Legen Sie regelmäßig eine feste Summe beiseite“, empfiehlt Caroline Bell.

„Und zwar sofort nach Eingang des Gehaltes oder zu Anfang eines Monats, damit das Geld nicht für Anderes ausgegeben wird.“ 500 Euro pro Monat, heißt im Beispiel oben, dass der Notfall-Puffer bereits nach 9 bis 12 Monaten zur Verfügung steht, danach der Sparplan starten und künftig Geld für persönlichen Wohlstand in Kapitalanlagen erarbeiten kann.

Anwendungstipp:

Nutzen Sie die Zeit der erzwungenen Ruhe für einen kritischen Kassensturz: Überprüfen Sie, ob Ihre Reserven in der Corona-Krise ausreichen – eventuell haben Sie sogar zu viel zurückgelegt und können jetzt Reserven auflösen und für Chancen nutzen?

Empfehlung 3: Geplant gegen aktuelle Unsicherheiten angehen

Sinken Kurse in Krisenzeiten, ergeben sich Einstiegschancen. „Sollte Geld übrig sein, ist jetzt ein besonders guter Zeitpunkt, Geld anzulegen und Investments zu erhöhen“, bestätigt Karolina Decker. Die Anteile von vielen ETF, den an Börsen gehandelten Fonds, oder auch Aktien, sind jetzt günstiger, Zugreifen und frei verfügbares Geld zusätzlich zur geplanten Spar-Rate zu investieren, kann sich daher lohnen.

Generell raten die Gründerinnen von FinMarie, regelmäßig und jeden Monat Geld zu sparen, sich dafür langfristige finanzielle Ziele zu setzen und dafür die eigene Risikobereitschaft zu hinterfragen. Elektronische Helfer unterstützen beim Investieren: Bei Robo Advisorn wie Growney und Vividam beantworten Nutzerinnen Fragen nach ihrem Sicherheitsbedürfnis und nach Renditezielen, danach verteilen die Plattformen das Geld auf die entsprechenden Anlageformen.

„Da sich Aktien und Anleihen im Lauf der Zeit unterschiedlich entwickeln, verschieben Robo Advisors bei Bedarf die Anteile, rentieren sich etwa Aktien besser als Anleihen, steigt automatisch der Aktienanteil in den Depots“, erklärt Karolina Decker die Funktionsweise.

„Regelmäßig überprüfen sie die Depots und richten diese bei Bedarf durch Rebalancing wieder an der ursprünglich gewählten Anlage- und Risikostrategie aus. Dabei werden Positionen, die sich besser entwickelt haben, verkauft und niedriger bewertete Papiere zugekauft, deren Wert mit hoher Sicherheit steigt.“

Derart gesteuert legt Kapital sicher an Wert zu, in Krisenzeiten sind also keine Korrekturen notwendig, sondern können im Gegenteil zusätzlich Chancen genutzt werden: „Wer jetzt trotzdem Panik bekommt, sollte seine Risikobereitschaft überprüfen“, rät Caroline Bell. „Wichtig ist doch, sein Sicherheitsbedürfnis kennenzulernen, um das Anlegen daran anzupassen.“

Anwendungstipp:

Wenn Sie jetzt merken, dass Ihre Anlagestrategie viel zu riskant ausschaut und Sie für mehr Sicherheit lieber ein paar Prozentpunkte Rendite aufgeben würden, diskutieren Sie das mit der Finanzberaterin Ihres Vertrauens: Sie kennt Sie und kennt die passenden Strategien.

Empfehlung 4: Risiken streuen und Anlagen breit diversifizieren

„Kaufen und Halten ist die Strategie, wenn es um langfristiges, mindestens 10 Jahre langes Anlegen geht“, meint Karolina Decker. „Wir investieren daher weltweit und breit diversifiziert mit ETF in unterschiedliche Anlageklassen, Branchen und Regionen. Gerade in volatilen Märkten wie jetzt zeigt sich, wie wichtig Risikostreuung ist.“ Im Gegensatz zu den von Banken und Fondsmanagern aktiv gesteuerten Themen- und Branchenfonds, orientieren sich ETFs an Börsen Indizes wie etwa den Deutschen Aktienindex (DAX), den Nikkei oder den Dow Jones, die entweder die wirtschaftliche Entwicklung von Ländern, Regionen, Branchen oder Märkten abbilden. Studien zufolge bleibt die Wertentwicklung von passiven ETF gerade in Krisenzeiten relativ stabil.

Global und breit angelegte Portfolios gleichen mögliche Wertschwankungen zwischen Regionen oder Branchen aus. Robo Advisors verstärken die so entstehende Sicherheit zusätzlich, weil sie mögliche Anlagen strikt nach Werten auswählen und gerade nicht nach Gefühlen oder nach Prognosen: „Angst und Unsicherheit“, gibt Caroline Bell zu bedenken, „sind generell schlechte Ratgeber beim Anlegen.“ In Krisenzeiten Portfolios anzupassen oder Strategien zu ändern, hält sie folglich für eine schlechte Idee.

Anwendungstipp:

Krisen bieten Chancen – weil viele Anleger vorschnell in Gold und andere Sachwerte flüchten. Folglich können Aktienkurse selbst aussichtsreicher Unternehmen und damit auch die Punktzahlen von Indices sinken. So verbilligen sich die Anteile von passiven ETF: die Chance für Sie, zusätzliche Anteile günstign einzukaufen.

Empfehlung 5: In Krisenzeiten vom nachhaltigen Wirtschaften profitieren

Investieren Frauen, wollen sie mit ihrem Geld nebenbei oft noch Gutes bewirken: soziale Arbeitgeber oder nachhaltiges Wirtschaften unterstützen. Das lohnt sich immer mehr. Die Rentabilität grüner und nachhaltiger Fonds wächst. „Seit Jahren steigt das Vermögensvolumen, das in nachhaltige Anlagen fließt, es deutet nichts auf eine Verlangsamung dieses Trends hin“, berichtet Karolina Decker. „FinMarie geht daher beim nachhaltigen Anlegen über das Thema Klimawandel hinaus und orientiert sich an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen.“ Nachhaltig orientierte Unternehmen erweisen sich meistens stabiler in Krisen, weil dann auch unter Verbrauchern das Bedürfnis nach Qualität wächst.

In der Corona-Krise diskutieren wir auch über wirtschaftliche Trends und soziale Entwicklungen, pures Gewinnstreben und Hire-and-Fire-Methoden werden eher verurteilt. Das spielt den Unternehmen in die Karten, die bereits nachhaltiger wirtschaften. Sie dürften nach der Krise schneller wieder Fuß fassen und mehr Kunden gewinnen: ein Einstieg in ökologisch oder nachhaltig orientierte ETF lohnt.

Empfehlung 6: Geduld zahlt sich aus in der Corona-Krise

Frauen kaufen und verkaufen seltener beim Geldanlegen, sie legen außerdem meist defensiver und gehen nicht ganz so hohe Risiken ein wie Männer: Langfristig gesehen zahlt sich dieses Verhalten aus. Je höher die erwartete Rendite, desto höher das Risiko. „Ohne Geduld führt auch ein überlegt eingegangenes Investment nicht zum Erfolg“, stellt Caroline Bell fest.

Wer seine Risiken breit gestreut hat, sich nicht von Panik anstecken lässt und überlegt handelt, kann ruhig schlafen – und jetzt investieren, wenn in diesen Zeiten Geld auf dem Konto übrig bleibt. Selbst kleinere Summen von 50 oder 100 Euro bringen jetzt Gewinn: „Du machst das meiste Geld in Bärenmärkten, dann, wenn die Kurse sinken“, zitiert die Finanzexpertin bewährte Börsenregeln.

Anwendungstipp:

Die Corona-Krise bringt viele Investment-Gelegenheiten mit sich: Der Urlaub wird in diesem Jahr durch Reisebeschränkungen kleiner ausfallen; im Homeoffice werden Modetrends nebensächlich. Machen Sie das Beste daraus, überprüfen Sie, über welche Summe Sie jetzt frei verfügen – und greifen Sie beherzt zu. Bei Bedarf zeigt Ihnen Ihre Finanzberaterin, wo der Einstieg lohnt.

Empfehlung 7: Nur frei verfügbares Geld anlegen

Reserven für Notfälle auf einem Tagesgeldkonto bilden, danach regelmäßig Geld investieren: So entsteht Schritt für Schritt finanzielle Freiheit und Sicherheit.

„Nur Geld investieren, das du nicht brauchst“, empfiehlt Karolina Decker. „Außerdem sollte zum Anlegen niemals der Notgroschen angetastet oder Kredite aufgenommen werden.“

Rücklagen sind eindeutig nur für Notfälle gedacht, Darlehen indes für Anschaffungen, die aus den laufenden Einnahmen zurückgezahlt werden. „Wir sind fest davon überzeugt, dass die Aktienmärkte sich wieder erholen“, meinen die FinMarie-Gründerinnen. „Das Einzige, das wir nicht wissen können, ist, wann genau es wieder nach oben geht.“

Insgesamt gilt:

Bleiben Sie entspannt und handeln Sie souverän.

Unsicherheiten verstellen den Blick auf Chancen, Hysterie macht gierig. Beruhigen Sie sich und klären Sie Ihre Gedanken, in dem Sie die Fakten, also die Höhe Ihrer Reserven sprechen lassen. Klar werden die Werte Ihres Depots derzeit wahrscheinlich zunächst sinken, aber entscheiden Sie in Ruhe ob und was Sie wirklich verändern sollten – und tauschen Sie sich dazu am besten mit einer kompetenten Finanzberatin aus.

Post a Comment